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Samstag, 17. Mai 2014

Die sibirische Eisfrau

So saß ich,
füllte meinen Kopf mit Worten,
zu Persönlichkeitsstruktur, Triebbasis,
Kulturismus und solcherlei Dingen.

Ich versuchte zu vertiefen,
versuchte einzudringen,
versenkte meinen Geist,
in die Materie.
Doch aus der Tiefe tauchte,
während ich dahin sank,
ganz von allein,
immer wieder diese Gestalt auf,
diese Frau,
wie sie in einer Blockhütte in Sibirien sitzt,
mit einem roten Kater auf dem Schoß.

Geheimnisvoll lebte sie,
einen Traum in meinem Traum,
in einem Land,
dem ich schon lange aufgehört hatte,
zu opfern.

Es gab so viel was ich sie Fragen wollte.
Die schiere Fülle an möglichen Worten,
und Antworten,
machte mir zu schaffen.

Ich könnte nur stammeln,
und müsste zu allem was in mir brannte schweigen,
sähe ich sie wieder.
Denn jedes Wort, jede Frage, wäre ungenügend!
Ein profanes Sandkorn,
das den Traumstränden des Geistes,
niemals gerecht werden würde.

Doch bevor ich mir überhaupt klar werden konnte,
was ich wollte,
zog mich die Arbeit die mir auferlegt war,
wie ein Senkblei, befestigt an meinem Fuß,
zurück hinab in die Versenkung,
zurück zu den theoretischen Ungeheuerlichkeiten,
die ich zu ergründen hatte.

Der neue Mensch erwartete mich.
Ob er wohl auch in Sibirien anzutreffen wäre?

Sonntag, 16. März 2014

Spiel von Leben und Sprache

Wenn Gedanken wanken,
muss ich Worte horten,
Sprachschatzbanken gründen,
an vielen fremden Orten.

Eine Sprache,
viele Worte,
keine Referenz.

Dieser Texte,
viele Verse,
doch keine Sentenz.

Die Axt im Haus,
der Zimmermann –
Wozu bräucht er sie dort?
Sinn und Sinnzusammenhang,
ich schmiss sie beide fort.

Was übrig bleibt?
Die liebe Zeit,
sie nagt an meinen Nerven.
Stetig, unerbitterlich,
sich immer neu entwerfen.

Die Worte plätschern so dahin,
ein Walzer auf dem Mond.
Zu meinem, eurem, unsrem Glück,
wird Leben nicht entlohnt.

Wohl an denn,
hat's auch keinen Lohn,
ist's doch nicht ohne Wert.
Unbezahlbar teurer Schund,
verkannt, doch nie verehrt.


Dienstag, 11. Februar 2014

Flüchtigkeit


Träumen, 
ist des Menschen Freud und Leid.
Die Kraft die ihn bannt, 
gleichwohl auch befreit.


Flüchtigkeit

Was du heute meinst zu kennen,
morgen ist es Schall und Rauch,
muss im ew'gen Feuer brennen,
flüchtig wie des Windes Hauch.

Flüchtig – Menschen auf der Flucht,
Blicke huschen hin und her.
Bilderfluten werden Sucht,
und die Welt sie scheint verkehrt.

Kalte Welten ohne Leben,
sehen wir durch kleine Fenster.
Scheinen sie auch so real,
sind's doch Träume – bloß Gespenster.

Die Wirklichkeit wird Illusion,
gleichsam auch hyperreal.
In Agonie wälzt sich das Sein,
die Quellensuche wird zur Qual.

Drum weg vom Fenster, raus zur Türe!
Zieht es uns, das wahre Leben.
Doch schon auf der Schwelle merkt man,
's wird die Wahrheit nicht mehr geben.

Strukturiert ist diese Welt,
eingehegt und doch chaotisch.
Und die vielen Perspektiven,
konkurrieren allotropisch.

Sind doch alle bloß Gedanken,
neuronale Korrelate.
Bilden ständig neue Brücken,
eb'nen Wege, Straßen, Pfade.

Jede Meinung jeder Pfad,
führt zu einer neuen Frage.
Was wie Wahrheit scheint uns heute,
morgen ist es vielleicht Sage.


Donnerstag, 19. Dezember 2013

Der Stern

Stell dir vor am Himmel,
gäb es nur einen Stern.
Kein fröhliches Sternengewimmel,
nur einer – allein –,
und so fern.

Zu seiner Schwester der Sonne,
blickte er schmachtend schon lange.
So gern wär er nicht allein.
Lieber schon lange vergangen,
als ewig so einsam zu sein.

Für uns zög er einsam die Bahnen,
am schwarzen Himmelszelt.
Der Blick ginge immer zu ihm,
weil er unsre Nächte erhellt.

Anders als der Mond,
der unser Nachbar ist,
strahlte der Stern uns immer,
und erntete dafür nichts.

Wir würden ihn vermissen,
wäre er einmal fort.
Der Himmel schaute dann schwarz,
nichts hielte den Blick am Ort.

Dem einsamen Stern wir dankten,
für seine treue Wacht.
Liebten die Schwester bei Tage,
und ehrten ihn stets in der Nacht.

Was einsam ist wird wertvoll,
so ist´s wohl viel gedacht.
Man Frage sich bei den Sternen,
ob´s überhaupt Sinn macht.

Mittwoch, 27. November 2013

Schattierungen


Schwarz oder Weiß.
So einfach zu fassen?
Rot oder Grün?
Abgrenzung schaffen!

Jede Grenze,
klar gezogen,
trennt was doch gemeinsam ist.
Der sanft geführte Übergang,
statt ihm klafft ein weiter Riss.

Dort im Schatten aller Dinge,
tief im Herzen der Fraktur,
zeigt sich uns ein Farbenspiel,
liegt im Dunkeln eine Spur,
liegt Unendlichkeit verborgen,
bereitet Philosophen Sorgen.

Hinter diese seichten Grenzen,
blickt sonst kaum ein lebend Mensch.
Weil er lieber sicher wohnt,
weil er ihren Reiz verkennt.

Die Schattierung wird gesehen,
flüchtig im Vorübergehen,
doch bleibt die Tiefe unerkannt,
verbirgt sich wacker dem Verstand.

Leidlich bleibt der Blick der Welt,
eng und klein und stets verstellt.


Sonntag, 27. Oktober 2013

Weltwahrnehmung

"Die Bewegtheit der Geschichte ist das Geschehen der menschlichen Existenz. Jede neue geschichtliche Wirklichkeit fordert eine neue menschliche Existenz." (Marcuse, 1928, S. 383) [1]


Wir leben in einer Welt die ist.
All unsere Geschichte scheint geworden:
Am Ende der Welt, gibt’s keine Sorgen!
Was danach kommt ist der Rist.

Die Außenkante unsrer Welt.
Wir fürchten uns, wir haben Angst,
vor diesem letzten Übergang,
von dem man in die Schwärze fällt.

Oh starr gewordene Welt,
in der wir uns bewegen.
Was bringt es zu träumen?
Was bringt es zu leben?

Die Welt ein Stein?
Die Welt ein Fluss?
Zeit fließt weiter mit Verdruss.
Will doch nicht sein!

Will immer werden!
Nicht in dieser Starre sterben!
So geht sie auf den Abgrund zu,
und zeigt dem Menschen ohne Ruh,

dass der starre Ast zerbricht!
Am Wind.
Am Schnee.
Am Selbstgewicht!

Der Traum zur Wandlung sei begriffen:
Veränderung des Dings Natur!
Unsre Welt kein starres Sterben,
sondern Leben, Atmen, Werden!

Wenn wir uns einst als werdend sehn,
und nicht bloß als gewordne Steine,
strebt alles gleich dem Umsturz zu:
die Dämme brechen –
Jedem das Seine!

Ob alles sich dann zu Höhen schwingt,
oder tief – wie einst – zu Schanden sinkt.
Das bestimmen Menschenträume,
vom Werden,
vom Leben,
vom Sterben,
schon Heute!


 
Zum Weiterlesen:

Heidegger, Martin: Sein und Zeit. 1927.
Hesse, Hermann: Das Glasperlenspiel. 1943.
Horkheimer, Max; Adorno Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. 1947.
Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewusstsein. 1923.

Marcuse, Herbert: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus. 1928.
Marcuse, Herbert: Feindanalysen. Über die Deutschen. 1943.
u.A.

_____________
[1] Zitiert nach: Marcuse, Herbert: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus. In: Marcuse, Herbert: Gesammelte Schriften. Bd. 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1978. S. 347 ff.


 

Sonntag, 20. Oktober 2013

Schein und Sein

Wow... 1000 Besucher_innen, naja nicht ganz, diese Abfrageserver kann man ja kaum als Besucher_innen zählen, aber trotzdem, die Zahl steht schonmal da. Für manche mag das nicht viel sein, aber für mich ist es schon so eine Art erstes Jubiläum. Aus diesem besonderen Anlass hier die Veröffentlichung des Gedichtes mit dem eigentlich alles begann und seiner Geschichte. Naja mehr oder weniger... Eigentlich ist es dummes Zeug das man auch überspringen kann. 
Aber für alle die die ein wenig mehr lesen möchten:

Es ist dieses Gedicht mit dem ich, in den ersten trüben Tagen des Jahres 2011, begonnen habe meiner vergessenen Jugendfreude, dem Dichten, wieder zu fröhnen. In einer schweren Zeit, auf einer Autofahrt, nach einem mehr deprimierenden als erholsamen Urlaub (zum Glück der Letzte den ich hatte) kam mir der Gedanke, dass ich früher in der Schule immer Spaß daran hatte Elfchen und andere Lyrik zu schreiben. 
Ein Spaß der einem in dieser Gesellschaft ja konsequent aberzogen wird, da die Selbstverwirklichung dem ökonomischen "Nutzen" im Zweifelsfalle weichen muss. Ich beschloss mit der Zeit, mich diesem falschen und unmenschlichen Paradigma zu großen Teilen zu verweigern. Jeden Tag sieht man die Menschen und die Natur, die von dieser Gesellschaft und ihrem Realitätsprinzip, dem Leistungsprinzip wie Herbert Marcuse so schön diagnostiziert, zerbrochen und zernichtet werden. Und jeder dieser schrecklichen Verluste ist ein weiterer Grund sich dieser Welt nicht zu fügen, lieber ein einsamer Steppenwolf zu sein, als ein weiteres Vieh das zur Schlachtbank geführt wird. Lieber den romantisch-einsamen Helden mimen und für Andere Sorge tragen, ihnen Hoffnung geben, als sich in Sicherheit zu wiegen und ihren Untergang einfach zu ignorieren. Aber ich komme vom Thema ab... dafür wird an anderer Stelle noch genügend Zeit sein und die Worte sind ohnehin verschwendet.
Wie von selbst kamen mir daraufhin jedenfalls diese Zeilen in den Sinn. Ich hatte meine liebe Not mir in dieser Situation Stift und Papier zusammen zu klauben, um sie vor der Vergänglichkeit und Schwärze zu bewahren, die mein, in dieser Hinsicht leider, verschwendungssüchtiger Geist ihnen zuteil werden lassen wollte. Doch es gelang alles rechtzeitig zu notieren und dieses Gedicht war mir von diesem Tage an so lieb und so nah, dass ich nie wieder vergessen wollte, wie wichtig und befreiend es sein kann zu schreiben. 
Auch heute noch erinnert es mich stets an diesen Tag, an die Fragen und Antworten die ich in dieser Zeit gefunden hatte. Aber auch an die Befreiung und Freude alle Gedanken, wie mit einem Zauberspruch, aufs Papier zu bannen. Da waren und sind sie nun immer noch, statisch wie ein Glas Wasser das man aus einem reißenden Strom schöpft und das daraufhin friedlich beobachtet und verstanden, ja sogar anderen gezeigt werden kann. Jedoch, wer das Glas bloß betrachtet, wird sich noch immer keine Vorstellung vom Fluss, aus dem es stammt, machen können. Wenn es aber das richtige Wasser ist, jenes tiefe, reißende, wilde, schaumkronenüberspülte, tiefklare Wasser aus der Mitte des wilden Stromes, dann wird der der es trinkt vielleicht diesen Fluss erahnen können, mit dem jemand möglicherweise heftig ringen musste um ihm dieses kleine Gläschen abzutrotzen. Zumindest weiss er schon mehr über den Fluss, als alle Menschen die ihn nur im vorbeigehen betrachtet haben und daher zwar seine Form kennen, nicht jedoch seinen Inhalt, seine Tiefe. 
Aber genug der Flüsse und Gläser. Alle Metaphern sind irgendwann ausgelutscht und ich hoffe diesem Punkt gerade noch zuvorgekommen zu sein. Denn eine überstrapazierte Metapher, gleicht einem übervollen Staudamm der irgendwann bricht.

Manche malen, manche musizieren, manche slammen, manche schreiben Romane oder Kurzgeschichten um das auszudrücken worüber man nicht sprechen kann, die Welt zwischen und hinter den Zeilen und Worten. Ich schreibe jedenfalls seit diesem Tag meist, frei nach Ernst Pöppel, in  ca. 3-Sekunden-Versen den Strom meiner Gedanken nieder und freue mich nun auch dieses mir so lieb gewordene Gedicht in eine Form gebracht zu haben, die es vorzeigbar macht und die ihm, als Grundstein und Juwel all meiner darauf gefolgten und folgenden Arbeiten, wie ich hoffe, gerecht wird.

Vielen Dank für das ( vielleicht sogar verständnisvolle) Lesen dieses sicherlich maßlos übertriebenen und höchst prätentiösen Vorgeplänkels voller Kommafehler:


Schein und Sein

Teil 1:
Dort auf der Bank, da sitzt ein Mann,
hat scheinbar einen Anzug an.
Doch Schein kann trügen,
Wahrheit ist,
dass dieser Mann in Ketten sitzt.

Das Kleid der Seele ist zerschlissen.
Das Herz aus seiner Brust gerissen.
Kann nicht mehr lachen und nicht weinen,
muss im hier und jetzt verweilen.
Weiss nur was er zu tuen hat,
doch nichts von seiner Schaffenskraft.

Leer fühlt er sich und ganz zerbrochen,
im Geiste noch ein Zitterrochen,
stellt Fragen die ihn stets behindern,
doch seinen Schmerz ein wenig mindern.

Fragen ohne Antwort nur,
doch stellt er sie entschlossen - stur!
Gewillt den Weg zuend zu gehn,
nichts ist gewiss nichts bleibt bestehn.

Doch wie kann einer gehen,
der doch in Ketten sitzt?
Und wie kann einer Wissen,
der nur auf Wiesen blickt?

Der Körper dieser Käfig,
sperrt seine Seele ein.
Doch wird er einmal gehen,
geht sie mit ihm anheim.

So weiss er keinen Ausweg,
und grübelt drüber nach.
Denn er sitzt hinter Gittern,
das weiss er selbst im Schlaf.

Er wird wohl lange noch hier sitzen,
und starren auf der Wiesen grün.
Im Schnee, im Regen und bei Blitzen
wird seine Flamme schwächer glühn.

Die Leute nur den Anzug sehn,
und ehrwürdig vorüber gehn,
nicht kennen seine Seelenpein.
So sitzt er da,
allein.

Teil 2:
So sitzt er da und keiner wird ihn retten.
So sitzt er da, gehüllt in seine Ketten.
Nur Hut und Schuhe sieht man noch,
doch er wartet Woch' um Woch'.

Wartet auf die Uhren, 
die sich rückwärts drehen.
Wartet auf die Zeit:
Ach bliebe sie nur stehen!

Samstag, 20. Juli 2013

Wahrheit oder Pflicht?

Wer kennt diese Wendung nicht?
Wenn Unrecht zu Recht wird,
ist Widerstand die Pflicht.
Doch wenn Unwahrheit zu Wahrheit wird,
wer hält dann Gericht?

Ist Wahrheit eine Pflicht?
Folgt sie aus Respekt?
Wer verliert Gesicht,
wenn Unwahrheit verdeckt?

Kann die Lüge schützen?
Und wer ist der Geschützte?
Wer hat am Ende den Schaden
und wem ist sie zunütze?

Alle diese Fragen,
treiben uns umher.
Und die richtige Antwort,
fällt einstweilen schwer.

Samstag, 4. Mai 2013

Menschenwürde


Menschenwürde,
Menschenrecht,
wenn man sie nimmt,
geht es uns schlecht.

Hat also einer vor sich acht,
hat er dies innigst Recht bedacht.

Und so ist denn,
auch sein Lohn,
die freie Wahl,
einer Option.

Doch akzeptabel muss sie sein,
sonst ist der Trick von vornherein,
nichts mehr als ein Theaterspiel,
und dies ist nicht des Menschen Ziel.


vgl.: Schaber, Peter: Instrumentalisierung und Würde. mentis Verlag GmbH: Paderborn, 2010. 
Kap.2, S. 41-63
(Quellenangaben sollte man ja heutzutage nicht vergessen...)

Samstag, 13. April 2013

Zeitungsartikel II

Wahnsinn im Sonderangebot!

Philosophisches von E Stainless Brick E


Wahnsinn? Ja dann bitte gleich drei Pfund! Heute ist Badetag.


Hach ja, für manche Menschen muss das Leben so einfach und schön sein. Sie müssen sich nicht beschäftigen mit den Abgründen der menschlichen Psyche. Sie sehen nicht das Unrecht welches jede Sekunde auf andere Menschen hernieder bricht. Und so erkennen sie auch nicht, dass zwischen ihrem schönen Leben, den Abgründen und den Leidenden eine stringente Verbindung besteht. Aber ich will nicht wie schon unzählige Male vorher den Moralapostel spielen müssen. Das macht irgendwann auch keinen Spaß mehr. Lieber selbst doof werden, ja das wäre doch mal was...
Aber wie stellt man das an, wenn man zwecks Geld, Zeit und Lustmangel nicht in den Genuss des Fernsehens, der Volksverblödungsdroge Nummer Eins, kommen kann? Schwierig schwierig... Hm, da ich selbst mit Nummer Zwei, dem Alkohol, verspielt habe, da mein Magen mich vehement unfreundlich darauf hinweist, das er es nicht mehr toleriert diese für ihn scheinbar hochgradig giftige Substanz verdauen zu müssen. Und das obwohl der Gruppendruck auf Partys und in Kneipen oft so unerträglich hoch wird, dass man sich fast schon mit Händen und Füßen gegen die fremdinduzierte – von der Alkohollobby angefeuerte – Drogeneinnahme wehren muss... aber ich will ja nicht predigen. Was bleibt mir da also noch übrig? Kopf in die Plastiktüte? Kopf vor die Wand? Oder Kopf unter die Rüttelplatte? … Naja wie du geneigte_r Leser_in schon sehen kannst, irgendetwas mit Kopf muss es wohl sein, dumm wird man schließlich nicht von einem Tritt in den Allerwertesten... wenn‘s so einfach wäre...
Vielleicht sollte ich es mal mit einem Besuch beim Kopfdoktor versuchen, habe gehört der verschreibt gerne auch mal Pillen, die einen auf den geistigen Stand eines Geranienkastens bringen. Ja, Geranien sind schon wahrlich keine sehr schönen Blumen. Und da das Äußere in dieser Gesellschaft so viel zählt, sind sie sicherlich auch ziemlich dumm, schließlich wurden sie in der Schule immer gemobbt und konnten so nichts lernen. Oder so ähnlich... Aber eigentlich will ich auch gar nicht zum Kopfdoktor, die Gefahr wäre viel zu groß, dass er mich als geistig gesund einstuft und mir obendrein mitteilt, ich hätte Recht mit meiner ständigen Unzufriedenheit! Das würde ich niemals ertragen!
Da bleibe ich lieber eingebildet wahnsinnig. Wahnsinn ist ja heute eh nichts schlechtes mehr. Die Leute sind waahnsinnig erfolgreich, waahnsinnig reich, waahnsinnig intelligent, waaaahnsinnig waaaahnsinnig lustig *gähn*. Der Wahnsinn ist heute jedenfalls positiver konnotiert denn je! Heath Ledger wurde vor seinem Tod berühmt durch seine Rolle als wahnsinniger Joker, der Batman jedes Mal dumm aussehen ließ (was aufgrund der kindischen Verkleidung eigentlich kein Kunststück sein sollte). In unserem Streben zum Wahnsinn, haben wir uns letztendlich sogar das größenwahnsinnigste System der Geschichte zusammengebastelt: ein wenig Narrenfreiheit hier, ein bisschen mediale Verdummleumdung dort, grenzenloses Wachstum (Achtung Treppenwitz! [jetzt sogar mit ‚grenzenlosem‘ Fall]) und natürlich der Klassiker des Wahnsinns: Arbeit für Alle durch technischen Fortschritt *lachmichtot*. All das garniert mit Umweltzerstörung, Ausrottung von Tieren und Menschen (warum eigentlich Menschen extra zählen, sind doch seit Aristoteles auch nur noch staatenbildende Tiere), Verelendungsangst und last but not least, der schier unlösbaren Frage, wer als nächstes aus DEINER Lieblingsshow fliegt. Als Show gelten für mich die einschlägigen Fernseh- (mir fällt einfach keine Endung ein die abwertendgenug ist), der Politikzirkus (immer wieder frustrierend komisch) und die modernen triebbefriedigenden Ersatzreligionen im Bereich Sport (Olympia, Fußball, Football, Poker/Dart/Kampftrinken... [*seufz* sowas als Sport zu bezeichnen] etc.). Ok, soviel zum Dressing unseres ‚wahnsinns‘ Salates, da haben wir ihn nämlich komplett. Und nun...
Moment! Es könnte doch sein, dass das wir es hier mit einem inhärenten Prinzip zu tun haben.
Möglicherweise lag ich zu Beginn ja falsch, die Menschen sind gar nicht so dumm (oh Menschheit deine Ehre ward errettet...). Vielleicht ist es in Wirklichkeit so, dass die glücklichen Menschen nur Wahnsinnige sind, die ihre kollektive, systemverursachte Geisteskrankheit ausleben. 

[Stimme aus dem Off: „Ok, ich möchte aber festhalten: Wahnsinn schließt Dummheit nicht aus!“ – hm... dann vergesst das mit der Ehre wieder...]
Das ist kaum zu ertragen, die Welt beherrscht und besiedelt von Geistesgestörten. Nichts könnte uns noch retten, selbst die Kopfdoktoren gehören zum wahnsinnig gut verworrenen System. Was bleibt einem zu tun als letzter unversehrter Mensch? Wie kann man darauf hoffen selbst noch verrückt zu werden und am kollektiven Wahnsinn teilhaben zu können, wo doch nun offensichtlich ist, dass man seine bisher selbst diagnostizierte Verrücktheit immer falsch verstanden hat? Das Wissen darum, scheinbar als einziger gegen den Wahnsinn immun zu sein, ist unerträglich. Eine der perfidesten Strafen, die sich die Schöpfer der Hölle, wie sie da im Vatikan sitzen (und die waren ja nun wirklich sehr kreativ in ihrer Hochphase!), hätten erdenken können. Sich selbst als einzig Gesunden unter einem Konglomerat sich lebendig verbrennender Wahnsinniger zu erkennen. Da bekommt das Wort Burnout eine völlig neue Bedeutung. – Außerdem zeugt die Vorstellung insgesamt von einem leicht wahnsinnigen Ego, was wiederum Beleg dafür sein könnte, das man selbst doch nicht so immun ist wie man glaubt, was wiederum für die These alles-durchdringenden-Wahnsinns spricht –. 

Was bleibt also?
Die letzten Anstrengungen bevor auch mein Geist vom Wahnsinn zerfressen werden wird, sollten all jenen, die sich sonst noch als diesem Moloch hilflos ausgeliefert erkennen, Hoffnung geben. Ich wünsche mir für sie einen Platz außerhalb dieser wahnsinnigen Welt. Möglicherweise müssen sie sogar aus einem verrücktgewordenen Universum gerettet werden ... . Es bedarf eines Ortes der abgegrenzt ist von dieser sterbenden Welt. Ein Ort an dem sich der Wahnsinn nicht weiter verbreitet. Quarantäne ist das Gebot der Stunde! Da fällt mir etwas ein: Man müsste sich - ich habe das mal irgendwo in einem wahnsinnig*stöhn* (Jetzt reichts aber langsam mit den wahnsinnigen (nein!) Wortspielen!) guten Buch gelesen - ein umgekrempeltes Haus bauen, um den Wahnsinn dieser Welt darin auf ewig einzuschließen. So kann man bei Bedarf einfach aus der Welt hinaus treten, die Tür hinter sich schließen und den Wahnsinn für einige Zeit hinter sich lassen. Gestärkten Geistes kann Mann oder Frau sodann wieder hineintreten in die Welt des Wahns, und man weiß nun:


„Alles nur ein böser Traum,
in dieser Welt aus Zeit und Raum.
Eingeschlossen in ein Haus,
um den Wahnsinn ists gebaut,
für alle Zeit sei er gebannt,
wir hoffen er kommt nie hinaus,
der Schrecken den wir einst gekannt.
Ob nun die Welt oder der Raum
ein Traum sind,
sollst du selbst entscheiden.
Ich werd mir nun die Worte sparen
und weiteren Wahnsinn vermeiden.“


Kann man ja mal so einfach so mal so drüber nachdenken … so.
Weisste so Alte_r! (Gendern ist wichtig!)
Junge! Mädchen! Mann! Frau! MENSCH!

Freitag, 5. April 2013

Wer wir sind


Wir sind Individuen,
doch wir sind auch Kollektiv.
Wir sind alle gleich,
doch wir folgen Wenigen.
Wir bleiben wir selbst,
doch wir passen uns an.
Wir sind natürlich,
doch Künstlichkeit ist unser ständiger Begleiter.

Wer sind wir? 

Dienstag, 19. März 2013

Zeitungsartikel

Kontaktanzeige eines Abgeordneten

Nur vielleicht Ernst gemeinte Beziehungssuche
von Rabeck Stelai Sines


Jetzt fragst du dich sicherlich: “Höööö. Warum
schreibt der da ne Kontaktanzeige rein? Kriegt
der dafür auch noch Kohle oder was?“
Ja, nee! Ich mach das hier für umsonst, da darf
ich das! Glaubt jetz eh wieder keiner. “Umsonst
macht doch hier keiner mehr was!“ Doch! Der
ganze Ruhm, die Macht, das Geld, die Frauen...
kann ich drauf verzichten... was ist das schon.. ja
was ist das? Hm? …..
„Schön“! Ja genau! Das ist *Schöön*... *wäh!*
und darauf hab ich ja mal überhaupt keinen
Bock! Würde mir meine ganze Unzufriedenheit
kaputt machen..! Ja klar andere “Künstler_innen“
machen das ja auch nicht so.. die nehmen was
sie kriegen können, aber die brauchen auch keine
Unzufriedenheit, die sind halt einfach kreativ
und denken sich mal eben so was gutes aus, sind
eben ganz “Künstler_innen“. Aber auf Kreativität
habe ich echt keinen Bock! Viel zu anstrengend!
Da verzichte ich lieber gleich auf den ganzen
Zirkus. Unzufriedenheit ist ein viel effizienterer
Antriebsquell. Und die Realität macht mich voll
und ganz unzufrieden genug. Reicht vollkommen
aus die Realität... ja W-I-R-K-L-I-H-I-C-H!
Ich bin zufrieden mit meiner Unzufriedenheit.
Und? Bist auch du Unzufrieden!? Dann triff
mich zum gemeinsamen Unzufrieden zufrieden
sein, erreichbar unter der Nummer 01627-Knäckebrot.
Zusammen werden wir mit unausgeglichener
Harmonie die Welt zum Ist-Zustand
zurückverändern und nebensächlich den ausgestorbenen
Dodo mittelfristig tatsächlich erhaltenswert
machen.


In gelangweilter Erwartung,
dein und mein
pares inter pares

Dienstag, 18. Oktober 2011

Gedanken

Gedanken

Gedanken sind so unbeständig
Worte sind dagegen endlich
Meere neben festem Land
Inseln schön und ungekannt

Worte solln die Seele zeigen?
Hört und liest man innres Leiden?
Sturmgebraus und Meerestoben
sind Unterwasser aufgehoben

Dort Unten in des Meeres Fundament
beginnt ein Beben, zwei Gedanken sind sich fremd
wärends nun unten kocht und brodelt
beginnt des Meeres Stimm' zu toben

Der Worttsunami türmt sich auf
Sinnenwind peitscht ihn hinaus
Hinaus zur Welt die er ertränkt
der Menschen Selbstbewusstsein kränkt

Danach ist er sehr schnell verschwunden
hört nichts von all dem Leid der Leute
noch ihrer ach so wichtgen Freude
So wird sein Schaden überwunden
Doch er ist eh schon lang verschwunden

Denn dieser Wellenberg war nur
ein kleiner Teil des tiefen Meeres
Seiner chaotischen Natur
Ein Krieger seines Wellenheeres


Sonntag, 9. Oktober 2011

Wenn das Leben zum Rennen wird

Wenn Menschen gezwugen sind vor etwas weg zu rennen ist das nie sonderlich gut. Am schlimmsten ist es aber wenn sie vor sich selbst wegrennen, weil man das Rennen am Ende immer verliert. Der Fluchtpunkt ist die Stelle an der man sich eingesteht das es so nicht weiter gehen kann. Das erfordert Stärke. Stärke die ich bewundere..



Fluchtpunkt

Rennen! Rennen immer weiter!
Feiern! Tuen! Bloß nicht scheitern!
Du gehst Treppen, du steigst Leitern,
tust das wohl dich zu erheitern

Arbeit, Schaffen alles Lenken
Zeit ist kostbar, nichts verschenken!
Keine Ruhe. Keine Muße.
selbst im Schlaf tust du noch Buße

tust das wohl weils dir Spaß macht
tust es weil du hast die Kraft
tust´s nicht weil du am Abgrund stehst
tust´s nicht weils gegens Ende geht

und obwohl du strahlst vor Kraft
denke ich du bist nicht Froh
und obwohl du mit mir lachst
seh ich nur die große Show

Kannst kaum stehen, Hände falten
Kannst´s kaum mit dir allein aushalten
nicht Ruhe den Gedanken geben
da sie sich sonst im Kreis bewegen

so rennst du fort und stellst dich nicht
hast Angst das du vielleicht zerbrichst
die Welt die sieht nur deine Show
und denkt du wärest wirklich Froh

Drum lässt du niemand an dich ran
Niemand dich verletzen kann
doch siehst du nicht das so die Zeit
auch deine Wunden niemals heilt

Denn das Leben auf der Flucht
Wird so zur eigenständgen Sucht
Wird zum Selbstzweck bis zuletzt
du deinen Schritt gen Abgrund setzt.
Die Angst sie wächst mit jedem Tag
verfolgt dich so bis in den Sarg

Der Mut den du bisher bewiesen
Lässt mich hoffen auf dein Wohl
Deine Wahrheit kannst du finden
Doch stelle dich, sonst ist sie hohl

Leere Worte gibts genug
Hülsen ohne Sinn und Grund
oh so viele viele Sätze
Lügen auf dem Erdenrund

Drum Prüfe ehrlich jedes Körnchen
auf seinen innersten Gehalt
ohne Angst und ohne Haften
nimm dir nur Ruhe, nimm dir Zeit

Donnerstag, 6. Oktober 2011

lang lang ist´s her

Tja, der Sommer ist so gut wie vorbei. Ich hatte viel Zeit und Anlass zu schreiben und ich denke es ist mal wieder Zeit was Neues zu posten. 
Weils mittlerweile auch recht viel geworden ist was ich so verfasst habe, poste ich heute gleich mal zwei Sächelchen.
Das Erste ist ziemlich neu, das Zweite schon etwas älter. Wo das Erste einfach nur versucht einen Einblick in das Gefühl der Hoffungslosigkeit zu geben, was wohl viele Menschen spontan auch mit der Farbe Schwarz verbinden würden, ist das Zweite eher eine Beobachtung -vielleicht für manche auch eine Belehrung- von dem, was Menschen alltäglich tun, was sie glauben und viel wichtiger, was sie meinen sein oder tun zu müssen um sich ihrer eigenen Existenz zu versichern. Exemplarisch sei dafür auch die Ausrede:"Ich kann nix dafür so bin ich eben...", die man immer wieder hört und die ich nicht gelten lassen kann, da ich das Gehirn für ein durchaus wandlungsfähiges Konstrukt (--> siehe Konstruktivismus) halte, auch wenn diese Fähigkeit zur Veränderung mit dem Alter immer schwächer werden mag...

numero un:


Schwarz

Niemand ist da
man hält sich schadlos
Keiner sagt: "ja!"
ich bleibe ratlos

Freundschaft ein Wort
Zeit heilt Verblendung
Liebe ist Mord
Herzen zur Pfändung

Arm und Verlassen
Nächtens im Dunkeln
Zahl ich die Raten
für meine Taten

Habe geliebt
Habe getrunken
Habe geopfert
Habe gefunden

Bin nun verlassen
Bin nun verloren
Bin nun verrottet
Bin nun verdorben

Will nichtmehr grübeln
Habe es satt
Will einen Gegner
setz ihn Schachmatt

Kann nicht mehr Trinken
selten gut schlafen
sehe der Menschen
lieblose Taten

der treuste Begleiter
ist mir der Schmerz
bort er sich doch ständig
in Magen und Herz

Einfach gut Leben
welch hehrer Traum
kaum bin ich Sorglos
entpuppt sich´s als Traum



,numero deux:

Identität

Identität der Schattenhauch
den jeder will
und keiner brauch

sie ändert sich
auf Schritt und Tritt
und nimmt
was schön und schlecht ist mit

Trotzdem denkst du das du bist
und weisst nicht mal was morgen ist
ob du dann mehr ein andrer wardst
und so etwas in dir erstarb

Wenn du erwachst aus tiefem Traume
ist dann nicht fort aus jenem Raume
der der sich ins Bett gelegt
denn jener der dort nun ersteht
hat doch über des Traumes Wege
manch Eigenschaften abgelegt

so ändern wir uns jeden Tag
wie mans auch immer drehen mag
bist du nichtmehr der selb' wie einst
auch wenn du dir gleich wohl so scheinst

Hattest doch Träume hehre Ziele
geblieben sind davon nicht viele
hattest eine andre Haut
andre Dinge warn vertraut

Leben leuchtets dir nun ein
ist nichts als ausgehöhlter Schein
leer füllt er sich zwar immer neu
doch bleibt er sich nicht selber treu

doch diese Wandlung schon erkannt
der erste Schritt ins neue Land
denn wenn man eh ein anderer ist
musst du nicht bleiben wie du bist

du kannst dich ändern
kannst es schaffen
kannst das Glück
zum Ziele machen

jeden Tag ein kleines Stück
gehst du ohne Blick zurück
den Weg der dich zum Frieden führt
zur Ruhe die dir auch gebührt

 viel Spaß beim lesen und nachdenken

Montag, 30. Mai 2011

alter Augustinus in neuem Gewand

Sowas kommt dabei raus, wenn man einen Essay über das Zeitverständnis des Augustinus schreiben muss und einem irgendwann die ganzen Begriffe und Zusammenhänge im Kopf rumschwirren...

Rastlos

es nagt es kratzt
die große Wahrheit
summt umher
im Hinterkopf


nicht zu fassen
und doch da
nicht zu sehen
und doch wahr


neue Welten klopfen an
doch das Klopfen scheint vertan
denn ich sehe keine Tür 

keinen Schlüssel gibts hierfür

so kratzt in mir die große Frage
auf die ich eine Antwort habe
die ich nicht ausdrücken kann
ach die Zeit sie ist vertan


doch muss ich glauben
tief und fest
das die Antwort möglich ist


neben dieser kleinen Welt
gibts auch wenns uns nicht gefällt
noch andre die wir nochnicht sehn
sicherlich nichtmal verstehn


mal ohne Raum
mal ohne Zeit
man nennt sie
Nichts und Ewigkeit

doch die die dort ihr Dasein fristen
sind keine Götter, keine Christen
sind Wesen nur, wie du und ich
und sehen uns auch wahrscheinlich nicht