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Mittwoch, 26. Februar 2014

Eine Blume

Eine kleine, reine,
eine zarte, feine,
Blume,
steht dort auf der Wiese.

Wenn ich sie dort stehen ließe,
jeden Tag ein wenig gieße,
ihr zum Opfer, ihr zu Ehren,
sollt sie alle Welt begehren.

Wenn ich sie dagegen nähme,
mit Schaufel oder Schere zähme,
geknechtet so mit Topf und Vase,
oder gut getrimmtem Rasen,
geknechtet so auf engem Raum,
hält ihre Schönheit sich im Zaum.

Drum lasse ich sie lieber stehn,
auch wenns schmerzt beim Vorübergehn,
so ist die Freude die sie zeigt,
in dem sie mir ihr Haupte neigt,
ihr Lebensdrang und Farbenspiel,
bald meines ganzen Glückes Ziel.

Es wärmt mein Herz,
auch wenn es sticht,
denn Liebe liegt auch,
im Verzicht.


Montag, 14. Oktober 2013

Preis und Freiheit


Dieser Gedanke an die völlige Ungebundenheit lässt mich nicht mehr los. Der Gedanke an ein Leben auf Reisen ohne Ziel, ohne Bindungen, ist erschreckend und doch auch lockend. Ja verheißungsvoll! Wenn wir einfach gehen und uns keine Gedanken machen über Krankenversicherungen und das Päckchen, das der Postbote für unseren Nachbarn bei uns abgegeben hat. Von der Hand in den Mund und immer am Abgrund. Die Lust und den Schmerz roh und unraffiniert, ja gänzlich unschabloniert und unverordnet erleben. Ach welch Abenteuer uns jenseits des ausgetretenen Pfades erwarten könnten, den wir so stolz "Gesellschaft" nennen.
Wir müssten natürlich in Terrain vordringen, in dem wir nicht aufgrund unserer Unabhängigkeit gehasst und gemieden werden. Die Angst vor der Sehnsucht, die wir bei den Mitgliedern eben jenes gut geölten Uhrwerkes erwecken würden, ist nicht zu unterschätzen.
Unabhängigkeit ist der Preis der Ausgestoßenen.
Und Ausgestoßene wollen wir werden. Heute! Morgen!
Das Leben hat keinen Preis, denn es ist sowieso umsonst.

inspiriert von: 
Hesse, Hermann:  Narziß und Goldmund. Berlin: S. Fischer Verlag, 1930

Klöckritz, Angelika: Die Vermessung des Ichs. Hamburg: ZEITmagazin, 2012. Url: http://www.zeit.de/2012/49/China-Religion-Eremit-Einsiedler-Berge

Samstag, 3. August 2013

Zum Leben eines Harry Haller

Steppenwölfe

Zwei Steppenwölfe trafen sich,
und waren gemeinsam allein.
Sie rochen einander,
gaben sich trost,
doch konnten zusammen nicht sein.

Letztlich ganz und gar zu wild,
blieb ihre Sehnsucht ungestillt. 

Ihre Wege zu verschieden,
ihre Geister unbezähmt.
Haben sie sich dann gemieden,
von sich selbst doch stets gequält.

Laufen, rasten, sinnen, streunen,
über Mauern, hinter Zäunen.
Nichts treibt solche Steppenwölfe,
so wie ihre eigenen Träume.