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Sonntag, 16. April 2017

Entdeckergeist

Hände, ausgestreckt zum Licht -
So strahlt ein kindliches Gesicht,
die ganze Welt sich zu erfassen,
kein Ding nur bei sich selbst zu lassen. 

Samstag, 17. Mai 2014

Die sibirische Eisfrau

So saß ich,
füllte meinen Kopf mit Worten,
zu Persönlichkeitsstruktur, Triebbasis,
Kulturismus und solcherlei Dingen.

Ich versuchte zu vertiefen,
versuchte einzudringen,
versenkte meinen Geist,
in die Materie.
Doch aus der Tiefe tauchte,
während ich dahin sank,
ganz von allein,
immer wieder diese Gestalt auf,
diese Frau,
wie sie in einer Blockhütte in Sibirien sitzt,
mit einem roten Kater auf dem Schoß.

Geheimnisvoll lebte sie,
einen Traum in meinem Traum,
in einem Land,
dem ich schon lange aufgehört hatte,
zu opfern.

Es gab so viel was ich sie Fragen wollte.
Die schiere Fülle an möglichen Worten,
und Antworten,
machte mir zu schaffen.

Ich könnte nur stammeln,
und müsste zu allem was in mir brannte schweigen,
sähe ich sie wieder.
Denn jedes Wort, jede Frage, wäre ungenügend!
Ein profanes Sandkorn,
das den Traumstränden des Geistes,
niemals gerecht werden würde.

Doch bevor ich mir überhaupt klar werden konnte,
was ich wollte,
zog mich die Arbeit die mir auferlegt war,
wie ein Senkblei, befestigt an meinem Fuß,
zurück hinab in die Versenkung,
zurück zu den theoretischen Ungeheuerlichkeiten,
die ich zu ergründen hatte.

Der neue Mensch erwartete mich.
Ob er wohl auch in Sibirien anzutreffen wäre?

Dienstag, 11. Februar 2014

Flüchtigkeit


Träumen, 
ist des Menschen Freud und Leid.
Die Kraft die ihn bannt, 
gleichwohl auch befreit.


Flüchtigkeit

Was du heute meinst zu kennen,
morgen ist es Schall und Rauch,
muss im ew'gen Feuer brennen,
flüchtig wie des Windes Hauch.

Flüchtig – Menschen auf der Flucht,
Blicke huschen hin und her.
Bilderfluten werden Sucht,
und die Welt sie scheint verkehrt.

Kalte Welten ohne Leben,
sehen wir durch kleine Fenster.
Scheinen sie auch so real,
sind's doch Träume – bloß Gespenster.

Die Wirklichkeit wird Illusion,
gleichsam auch hyperreal.
In Agonie wälzt sich das Sein,
die Quellensuche wird zur Qual.

Drum weg vom Fenster, raus zur Türe!
Zieht es uns, das wahre Leben.
Doch schon auf der Schwelle merkt man,
's wird die Wahrheit nicht mehr geben.

Strukturiert ist diese Welt,
eingehegt und doch chaotisch.
Und die vielen Perspektiven,
konkurrieren allotropisch.

Sind doch alle bloß Gedanken,
neuronale Korrelate.
Bilden ständig neue Brücken,
eb'nen Wege, Straßen, Pfade.

Jede Meinung jeder Pfad,
führt zu einer neuen Frage.
Was wie Wahrheit scheint uns heute,
morgen ist es vielleicht Sage.


Samstag, 11. Januar 2014

Wie ein Baum

Wir wachsen,
mit den ersten Jahren,
in die hohe Weite.
Später dann,
mit dem Erfahren,
kommt des Lebens Breite.

Mit Borke,
dick und grob gefurcht,
rüstet uns das Leben.
Im Schutze dieses Zauberwalls,
den Himmel wir erstreben.

Die Krone setzt der Geist uns auf,
mit Zweigen, Blättern, Knospen.
Die Blüten duften königlich,
die uns Vernunft lässt kosten.

Die Frucht verheißt den Samen dann,
der uns vom Leid befreit.
Das neue Leben bricht den Bann,
vorbei ist unsre Zeit.


Sonntag, 27. Oktober 2013

Weltwahrnehmung

"Die Bewegtheit der Geschichte ist das Geschehen der menschlichen Existenz. Jede neue geschichtliche Wirklichkeit fordert eine neue menschliche Existenz." (Marcuse, 1928, S. 383) [1]


Wir leben in einer Welt die ist.
All unsere Geschichte scheint geworden:
Am Ende der Welt, gibt’s keine Sorgen!
Was danach kommt ist der Rist.

Die Außenkante unsrer Welt.
Wir fürchten uns, wir haben Angst,
vor diesem letzten Übergang,
von dem man in die Schwärze fällt.

Oh starr gewordene Welt,
in der wir uns bewegen.
Was bringt es zu träumen?
Was bringt es zu leben?

Die Welt ein Stein?
Die Welt ein Fluss?
Zeit fließt weiter mit Verdruss.
Will doch nicht sein!

Will immer werden!
Nicht in dieser Starre sterben!
So geht sie auf den Abgrund zu,
und zeigt dem Menschen ohne Ruh,

dass der starre Ast zerbricht!
Am Wind.
Am Schnee.
Am Selbstgewicht!

Der Traum zur Wandlung sei begriffen:
Veränderung des Dings Natur!
Unsre Welt kein starres Sterben,
sondern Leben, Atmen, Werden!

Wenn wir uns einst als werdend sehn,
und nicht bloß als gewordne Steine,
strebt alles gleich dem Umsturz zu:
die Dämme brechen –
Jedem das Seine!

Ob alles sich dann zu Höhen schwingt,
oder tief – wie einst – zu Schanden sinkt.
Das bestimmen Menschenträume,
vom Werden,
vom Leben,
vom Sterben,
schon Heute!


 
Zum Weiterlesen:

Heidegger, Martin: Sein und Zeit. 1927.
Hesse, Hermann: Das Glasperlenspiel. 1943.
Horkheimer, Max; Adorno Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. 1947.
Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewusstsein. 1923.

Marcuse, Herbert: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus. 1928.
Marcuse, Herbert: Feindanalysen. Über die Deutschen. 1943.
u.A.

_____________
[1] Zitiert nach: Marcuse, Herbert: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus. In: Marcuse, Herbert: Gesammelte Schriften. Bd. 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1978. S. 347 ff.


 

Montag, 14. Oktober 2013

Preis und Freiheit


Dieser Gedanke an die völlige Ungebundenheit lässt mich nicht mehr los. Der Gedanke an ein Leben auf Reisen ohne Ziel, ohne Bindungen, ist erschreckend und doch auch lockend. Ja verheißungsvoll! Wenn wir einfach gehen und uns keine Gedanken machen über Krankenversicherungen und das Päckchen, das der Postbote für unseren Nachbarn bei uns abgegeben hat. Von der Hand in den Mund und immer am Abgrund. Die Lust und den Schmerz roh und unraffiniert, ja gänzlich unschabloniert und unverordnet erleben. Ach welch Abenteuer uns jenseits des ausgetretenen Pfades erwarten könnten, den wir so stolz "Gesellschaft" nennen.
Wir müssten natürlich in Terrain vordringen, in dem wir nicht aufgrund unserer Unabhängigkeit gehasst und gemieden werden. Die Angst vor der Sehnsucht, die wir bei den Mitgliedern eben jenes gut geölten Uhrwerkes erwecken würden, ist nicht zu unterschätzen.
Unabhängigkeit ist der Preis der Ausgestoßenen.
Und Ausgestoßene wollen wir werden. Heute! Morgen!
Das Leben hat keinen Preis, denn es ist sowieso umsonst.

inspiriert von: 
Hesse, Hermann:  Narziß und Goldmund. Berlin: S. Fischer Verlag, 1930

Klöckritz, Angelika: Die Vermessung des Ichs. Hamburg: ZEITmagazin, 2012. Url: http://www.zeit.de/2012/49/China-Religion-Eremit-Einsiedler-Berge

Montag, 23. September 2013

Nachgeschmack einer Wahl

Es ist nicht die Wahl die mir Sorgen bereitet. Nein, an der Wahl ist wohl nichts auszusetzen. Ein sauberer, gut organisierter Vorgang. Sehr akkurat. Jedoch scheint der Zustand des Wählenden besorgniserregend. Und wenn der Wählende als Körper der Demokratie krank ist, dann kann die Wahl vielleicht den äußeren Anschein von Gesundheit und Kraft und Richtung geben. Aber im Schatten dessen wird sich die Krankheit verschlimmern. Weil sie verdeckt, weil sie nicht behandelt wird. Weil dem Körper immer mehr Belastungen aufgedrückt werden. Hier ist nicht die Rede von finanziellen Belastungen, das wäre ein Missverständnis. In diesem Fall kann man den Körper tatsächlich wortwörtlich nehmen. Der Körper genügt sich nicht mehr. Er soll besser, schneller, effektiver und gehöriger arbeiten als jemals zuvor. Er zerteilt sich zwischen Arbeitsfantasien und Freizeit(an)geboten und kommt nicht einmal im Alter mehr zum Stillstand, der ja Einsicht bedeuten könnte. Und weil er mittlerweile selbst so sehr glaubt, dass er so sein muss - Ja so sein will! -, reicht die Herrschaft bis in ihn hinein. Der Volkskörper wird zum Eigenen und die gesellschaftliche Krankheit wird zu Volkskrankheit. Zur psychologischen Pathologie. Es gibt nur eine Hölle und die schaffen wir uns selbst. Nur ein Grab, ein Massengrab, das wir gemeinsam ausheben. Und erst wenn wir alle darin untergehen, wird sich vielleicht, bei denen die sich retten konnten die Einsicht einstellen, dass der Mensch, wenn er herrschen will, auch Verantwortung trägt. Also auch die Menschen, die in einer Demokratie ja alle Herrscher sind, an ihrem Wohl und Wehe mit schuldig sind. 
Und dann sagen sie, die Überlebenden, vielleicht das der Tod jener Vorväter und -mütter gerecht war. Sie waren blinde Herrscher. Zu egoistisch und stolz ihre Lage einzugestehen. Verblendet von ihrer Technik, ihrem Luxus, ihrer Macht über die Natur haben sie den Ruf ihrer verkrüppelten Seelen und Körper nicht gehört. Haben sich nicht gekümmert um die, die nach Hilfe riefen und vor Hunger den Schlaf erst fanden, als es der letzte war. Haben Industrien und Wissenschaften erdacht um ihrer leidenden Verfassung ein Schlafmittel einzuflößen, dass sie nicht so sehr schreie und sich rege, ihren Dünkel nicht störe. 

Ja diese Wählenden, diese Traummenschen, machen mir Kopfzerbrechen und ich weiß, indem ich die Tablette in betracht ziehe, das ich vielleicht sogar einer von ihnen bin.

Gegangen / Gone

Gone

Rost bedeckt die Welt,
das große Spiel ist vorbei.
Unter der dicken roten Staubschicht,
sucht man vergeblich nach Überresten des Lebens.

Was der Rost nicht erstickt und zermahlen hat,
das ist schon vor langer Zeit gegangen.
Nichts wurde zurückgelassen,
als das große Rad unvermeidlich seine Drehung vollendete.

Wo einst Trieb und Vernunft miteinander wilde Kämpfe rangen,
wacht nun die stille Ewigkeit.
In wildem Erinnern zeigt der Wind von Zeit zu Zeit,
eine rostrote Metapher der Kraft dieses Konfliktes.

Die Stürme toben dann über die weiten Ebenen,
doch die Bewegung ist trügerisch.
Sie ist kein Beweis für das einstige Leben,
sondern für seinen Niedergang vor der ewig schleifenden Stetigkeit der Zeit.

So sieht man dann den roten Planeten,
den toten Planeten.
Und fragt sich unmerklich:
'Was wird aus uns?'

Freitag, 5. April 2013

Wer wir sind


Wir sind Individuen,
doch wir sind auch Kollektiv.
Wir sind alle gleich,
doch wir folgen Wenigen.
Wir bleiben wir selbst,
doch wir passen uns an.
Wir sind natürlich,
doch Künstlichkeit ist unser ständiger Begleiter.

Wer sind wir?