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Sonntag, 1. Oktober 2017

Herbstmorgen

Nebel umhüllt die Straße.
Kein Leitpfosten ragt,
aus dem dunstigen Vorhang.
Feingezackter Flaum,
blüht auf den Gräsern am Wegesrand.

Kaltfeuchte Stille
- in Wodka getränkte Watte -
umgibt mich gänzlich,
brennt in Augen und Lunge.

Der Schrei einer Krähe,
kämpft sich in meinen Gehörgang,
verendend, schwach,
- hohl -
in der dünnen Luft.

Ich - eingekapselter Wille -
durchschreite die Glocke gen Tag.
Ich - brennendes Streichholz -
setze den Morgen in Flammen.

Sonntag, 2. April 2017

Am Teich

Die Planken knetern und knarzen.
Ein Frosch müht sich,
aus Liebeslust ab.
Ich sitze mit Blick auf das Wasser,
die Sonne senkt sich herab.

Im Dunkel geschlossener Lider,
seh ich - sich wiegend - das Schilf.
Summen und quaken hallt wieder,
ein Windhauch streift mich ganz mild.

Ich rieche das brackige Wasser,
die Sonne nun gänzlich fort.
Die dunkle Fläche vor mir,
mein liebster Rückzugsort.

Samstag, 17. Mai 2014

Die sibirische Eisfrau

So saß ich,
füllte meinen Kopf mit Worten,
zu Persönlichkeitsstruktur, Triebbasis,
Kulturismus und solcherlei Dingen.

Ich versuchte zu vertiefen,
versuchte einzudringen,
versenkte meinen Geist,
in die Materie.
Doch aus der Tiefe tauchte,
während ich dahin sank,
ganz von allein,
immer wieder diese Gestalt auf,
diese Frau,
wie sie in einer Blockhütte in Sibirien sitzt,
mit einem roten Kater auf dem Schoß.

Geheimnisvoll lebte sie,
einen Traum in meinem Traum,
in einem Land,
dem ich schon lange aufgehört hatte,
zu opfern.

Es gab so viel was ich sie Fragen wollte.
Die schiere Fülle an möglichen Worten,
und Antworten,
machte mir zu schaffen.

Ich könnte nur stammeln,
und müsste zu allem was in mir brannte schweigen,
sähe ich sie wieder.
Denn jedes Wort, jede Frage, wäre ungenügend!
Ein profanes Sandkorn,
das den Traumstränden des Geistes,
niemals gerecht werden würde.

Doch bevor ich mir überhaupt klar werden konnte,
was ich wollte,
zog mich die Arbeit die mir auferlegt war,
wie ein Senkblei, befestigt an meinem Fuß,
zurück hinab in die Versenkung,
zurück zu den theoretischen Ungeheuerlichkeiten,
die ich zu ergründen hatte.

Der neue Mensch erwartete mich.
Ob er wohl auch in Sibirien anzutreffen wäre?

Samstag, 11. Januar 2014

Wie ein Baum

Wir wachsen,
mit den ersten Jahren,
in die hohe Weite.
Später dann,
mit dem Erfahren,
kommt des Lebens Breite.

Mit Borke,
dick und grob gefurcht,
rüstet uns das Leben.
Im Schutze dieses Zauberwalls,
den Himmel wir erstreben.

Die Krone setzt der Geist uns auf,
mit Zweigen, Blättern, Knospen.
Die Blüten duften königlich,
die uns Vernunft lässt kosten.

Die Frucht verheißt den Samen dann,
der uns vom Leid befreit.
Das neue Leben bricht den Bann,
vorbei ist unsre Zeit.


Mittwoch, 27. November 2013

Schattierungen


Schwarz oder Weiß.
So einfach zu fassen?
Rot oder Grün?
Abgrenzung schaffen!

Jede Grenze,
klar gezogen,
trennt was doch gemeinsam ist.
Der sanft geführte Übergang,
statt ihm klafft ein weiter Riss.

Dort im Schatten aller Dinge,
tief im Herzen der Fraktur,
zeigt sich uns ein Farbenspiel,
liegt im Dunkeln eine Spur,
liegt Unendlichkeit verborgen,
bereitet Philosophen Sorgen.

Hinter diese seichten Grenzen,
blickt sonst kaum ein lebend Mensch.
Weil er lieber sicher wohnt,
weil er ihren Reiz verkennt.

Die Schattierung wird gesehen,
flüchtig im Vorübergehen,
doch bleibt die Tiefe unerkannt,
verbirgt sich wacker dem Verstand.

Leidlich bleibt der Blick der Welt,
eng und klein und stets verstellt.


Donnerstag, 12. September 2013

Warum eigentlich?


Vielleicht schreibt man das alles nur, damit irgendwann, wenn das Spiel vorbei ist, jemand erkennt wer der Schauspieler den er dort sah wirklich war. Und vielleicht will, oder muss, Er, der Schauspieler, selbst nach seinen Auftritten erst immer wieder entdecken, wer er eigentlich ist. Denn alles was er der Welt vorgibt zu sein ist immer nur Teil, nur Maske, nur Ausflucht und Muster. Eine Scharade unter Tausenden.

Das Ganze gibt es nicht im Kleinklein dieser oberflächlichen hektischen Welt. Das Ganze braucht Zeit und Geduld. Eine Ewigkeit für ein Sandkorn Wahrheit.


Oder wie Fernando Pessoa es um 1934 ausgedrückt hat:
Manchen mag dieses von mir für mich geschriebene Tagebuch zu künstlich vorkommen. Aber alles Künstliche entspricht meinem Naturell. Womit sonst könnte ich mich unterhalten, wenn nicht mit dem sorgfältigen Aufzeichnen meines geistigen Lebens? Im übrigen ist die Sorgfalt, die ich darauf verwende, nicht allzugroß. Ich bemühe mich weder um eine besondere Anordnung noch um eine ausgefeilte Form. Ich denke dabei ganz selbstverständlich in der mir eigen gewählten Sprache. […] Unsere Leichtfertigkeit von gestern ist heute eine beständige Sehnsucht, die mein Leben zermürbt.“
 
(Pessoa, Fernando: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares. Zürich: Ammann Verlag & Co., 2003. S. 446)

Montag, 9. September 2013

Himmelblau

Blau im Himmel so fern,
so nah sind dir die Flieger,
streifen dein samtiges Antlitz.
Doch ihre Seelen so fern,
verleben die Zeit in der Economy Klasse.

Samstag, 27. April 2013

Seltene Lebewesen I

Der Rollende Furz auf der Gardinenstange

 

Ein Aufruf zur Besinnung 

Obwohl er nach wie vor ein häufiger Besucher in deutschen Haushalten ist, bemerken heute nur noch wenige Menschen seine An- bzw. Abwesenheit. Die Rede ist vom berühmten Rollenden Furz auf der Gardinenstange. Warum der Rollende Furz sich immer ausgerechnet dann die Gardinenstangen der Nation für sein graziles Ballett aussucht, wenn wir gerade in einem Raum sitzen und nichts mit unserer Zeit anzufangen wissen, ist Forschern auch heute noch ein Rätsel. Fakt ist aber, dass der Rollende Furz aufgrund der medialen Ablenkung von Handys, Computern und internetfähigen Fernsehapparaten immer seltener in Erscheinung tritt. Da Forscher seine tanzartige rollende Bewegung mutmaßlich für ein Paarungsritual halten, sei davon auszugehen, dass der Rollende Furz auf der Gardinenstange stark vom Aussterben bedroht ist, da sein natürliches Paarungshabitat von uns Menschen immer mehr bedrängt wird.

Darum hier der Appell an alle:
Schmeißt eure High-Tech-Glotzen aus dem Fenster, spült eure Handys im Klo runter - wenn ihr Besitzer eines Hosentaschen-Schokotafel-Modells seid, halbiert es bitte vorher (sonst ist das Klo futsch) - und bearbeitet euren PC mit einem starken Elektro- oder Permanentmagneten. Auf das wir alle wieder friedlich gelangweilt im Zimmer sitzen können und dabei dem Rollenden Furz auf der Gardinenstange die Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, die dieser treue kleine Kerl verdient. Auch wenn er nicht zur "Charismatischen Megafauna" gehört.