Posts mit dem Label Leben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Leben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 15. Oktober 2017

Herbstgeruch

Tage merklich trübe.
Äpfel liegen vorm Haus.
Den ganzen Tag am Schreibtisch,
bringe ich nur den Müll raus.

Doch dieser Moment - er reichte.
Denn just dieser Augenblick,
bringt mit aller Kraft,
den Herbst in mein Leben zurück.

Feuchtigkeit und Feuer,
sie tanzen den alten Tanz.
Die Funken stieben in neuer,
prächtiger Eleganz.

So geht der Holzscheit dahin,
und mit ihm geht ein Jahr.
Ich gehe wieder hinein,
der Zeit nun wieder gewahr.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Herbstmorgen

Nebel umhüllt die Straße.
Kein Leitpfosten ragt,
aus dem dunstigen Vorhang.
Feingezackter Flaum,
blüht auf den Gräsern am Wegesrand.

Kaltfeuchte Stille
- in Wodka getränkte Watte -
umgibt mich gänzlich,
brennt in Augen und Lunge.

Der Schrei einer Krähe,
kämpft sich in meinen Gehörgang,
verendend, schwach,
- hohl -
in der dünnen Luft.

Ich - eingekapselter Wille -
durchschreite die Glocke gen Tag.
Ich - brennendes Streichholz -
setze den Morgen in Flammen.

Sonntag, 11. Juni 2017

Ausgeglichen

Kein Gedanke mehr im Kopf.
Kein Gefühl in meiner Brust.
Nur ein Herz das leise klopft,
atme ich nun ganz bewusst.

Alles löst sich schließlich auf,
Widersprüche werden eins.
Gar die Welt stoppt ihren Lauf,
pure Leichtigkeit des Seins.

Sonntag, 28. Mai 2017

Berührung

Kein Wort wars - kaum Gedanke schon,
was mich da plötzlich halten lies.
Mir war als ob aus vollem Lauf,
mein Kopf an eine Mauer stieß
 
Mir entrang ein leises Wimmern,
meine Sinne wurden blass,
als sich tief in meinem Innern,
etwas regte, gleichsam sprach.

Doch kein Ton in dieser Stille,
der den dumpfen Wall durchbrach.
Nein - nur ein Gefühl von Nähe,
das durch alles Denken stach. 

Eine warme Hand die sachte,
Stück für Stück mein Herz umgab.
Weich wie ein Kokon aus Seide,
schirmte sie den Ärger ab.

Und bevor ichs richtig merkte, 
war sie fort,
- und auch ihr Schutz
und des Windes Seufzen fegte,
in mein Herz - noch ganz verdutzt.

Drum entringt sich stille Klage,
meinem Mund,
von Zeit zu Zeit.

Denn wen des Herzens Winde plagen,
dem wird der Weg - manchmal,
zu weit. 
 
 


Sonntag, 14. Mai 2017

Anekdoten

Ich teile mich mit,
durch Anekdoten.
Bruchstücke eines,
alternden Idioten.

Verkürzte Fragmente,
des suchenden Lebens.
Setz sie zusammen,
- leider vergebens.

Kann jemand verstehen?
Ich glaube es kaum,
red weiter in Rätseln,
füll damit den Raum.

Sonntag, 30. April 2017

Die letzten Minuten

Diese letzten Minuten des Tages,
wenn alles still ist,
alles schon schläft.

Schleicht sich,
die alte Freundin Saudade,
hier auf mein Sofa,
und fragt wie es geht.

Ich sage:
"Es geht so.",
da lacht sie mich an,
erfüllt mich mit Sehnsucht,
wies niemand sonst kann.

So sehn ich herbei mir,
die nullte Stunde,
wenn alles zu nichts wird,
geh ich mit zum Grunde.

Leg mich dort unten,
ins flauschige Bett.
Wenn ich wieder aufwach,
ist Saudade längst weg.

Mittwoch, 19. April 2017

Schildkrötenzyklus IV

Die Schildkröte hält Winterschlaf.
Sie träumt vom Flug über die Frühlingswiese,
tief unten in ihrem Erdloch.

Sonntag, 16. April 2017

Entdeckergeist

Hände, ausgestreckt zum Licht -
So strahlt ein kindliches Gesicht,
die ganze Welt sich zu erfassen,
kein Ding nur bei sich selbst zu lassen. 

Sonntag, 19. März 2017

Life's Gamble

Everything comes at a price,
the worlds not gentle, neither nice.
So take this silly mans advice:
Be careful, when you roll the dice!

Sonntag, 12. März 2017

Sonntag, 5. Februar 2017

Ein paar Fragen

Wofür wir leben?
Wohin wir streben?
Sag,
was kannst du heute geben?

Was kannst du tauschen?
Nur weißes Rauschen?
Sag,
kannst du dem Fluss noch lauschen?

Wohin willst du gehen?
Bleibst du jemals stehen?
Sag,
spürst du den Wind je wehen?

Wo ist des Lebens süßer Wein?
Wer willst du in zehn Jahren sein?
Sag,
gehst du den Weg allein?

Warum der Fragen immer drei?
Nur weil ich sag, dass es so sei?
So sprich nun,
wer ist wirklich frei?

Samstag, 3. Mai 2014

Helden...


Das waren einmal,
vor sehr langer Zeit,
Krieger die Menschen,
vom Elend befreit.

Die Götter erzürnt,
das Schicksal gebogen,
Die Frieden gebracht,
vom Feuer umstoben.

Manch einer von ihnen,
gab gerne sein Leben,
für die großen Taten,
die wir heut erzählen.

Doch heute sind Helden nicht strahlend!
Vielleicht gar waren sies nie...
Die helle reine Natur,
ein Trug unsrer Fantasie.

Die Helden von heute sind anders,
sie sterben nicht für ihren Sieg.
Das macht es nicht weniger tragisch,
ihr Gehen ist traurig wie nie.

So siechen sie in ihren Zimmern,
entstellt, gequält und vergessen.
Im Flur hört gedämpft man das Wimmern,
hinfort was sie einstmals besessen.

Statur und Stärke der Glieder,
hat Krankheit und Alter versehrt.
Wo einst sie Riesen bekämpften,
ist nun schon der Gang verwehrt.

Der Geist der vor Plänen so strotzte,
Zyklopen und Hades selbst trotzte,
Alzheimer zehrt von ihm mehr jeden Tag,
ein hohles Pferd trägt ihn langsam zu Grab.

Vom Fenster her tönen Sirenen,
sie locken die Helden zum Fels.
Gebrochen sind sie dort gefangen,
in Neonlichtwellen so grell.

Da harren sie ob ihres Endes,
Skyll und Charib unausweichlich.
Die Schwester kommt mehrmals täglich,
vom Lotus gibt es dann reichlich.

Wöchentlich kommt auch der Chefarzt,
im Schlepptau ist Circe die Schöne,
sie locken mit schnellem Genesen,
sie wissen viel freundliche Töne.

Kalypsos Armen entgleiten,
auf lange Sicht wirds geschehn,
sie könnten noch ewig hier bleiben,
doch das wolln die Götter nicht sehn.

Die Mächtigen zeigen erbarmen,
sie lassen die Helden nun ziehn,
vereinsamt dort auf ihrem Floß,
das letzte Tuch ist geliehn.

Der Schluss der Odyssee,
die Helden treiben Heim,
doch die finale Fahrt,
wird eine Stille sein.

Der Leib verging nicht im Feuer,
doch ist alle Größe verraucht,
vergessen dort in ihren Kammern,
hörts Wimmern dann irgendwann auf.

Sonntag, 16. März 2014

Spiel von Leben und Sprache

Wenn Gedanken wanken,
muss ich Worte horten,
Sprachschatzbanken gründen,
an vielen fremden Orten.

Eine Sprache,
viele Worte,
keine Referenz.

Dieser Texte,
viele Verse,
doch keine Sentenz.

Die Axt im Haus,
der Zimmermann –
Wozu bräucht er sie dort?
Sinn und Sinnzusammenhang,
ich schmiss sie beide fort.

Was übrig bleibt?
Die liebe Zeit,
sie nagt an meinen Nerven.
Stetig, unerbitterlich,
sich immer neu entwerfen.

Die Worte plätschern so dahin,
ein Walzer auf dem Mond.
Zu meinem, eurem, unsrem Glück,
wird Leben nicht entlohnt.

Wohl an denn,
hat's auch keinen Lohn,
ist's doch nicht ohne Wert.
Unbezahlbar teurer Schund,
verkannt, doch nie verehrt.


Dienstag, 11. Februar 2014

Flüchtigkeit


Träumen, 
ist des Menschen Freud und Leid.
Die Kraft die ihn bannt, 
gleichwohl auch befreit.


Flüchtigkeit

Was du heute meinst zu kennen,
morgen ist es Schall und Rauch,
muss im ew'gen Feuer brennen,
flüchtig wie des Windes Hauch.

Flüchtig – Menschen auf der Flucht,
Blicke huschen hin und her.
Bilderfluten werden Sucht,
und die Welt sie scheint verkehrt.

Kalte Welten ohne Leben,
sehen wir durch kleine Fenster.
Scheinen sie auch so real,
sind's doch Träume – bloß Gespenster.

Die Wirklichkeit wird Illusion,
gleichsam auch hyperreal.
In Agonie wälzt sich das Sein,
die Quellensuche wird zur Qual.

Drum weg vom Fenster, raus zur Türe!
Zieht es uns, das wahre Leben.
Doch schon auf der Schwelle merkt man,
's wird die Wahrheit nicht mehr geben.

Strukturiert ist diese Welt,
eingehegt und doch chaotisch.
Und die vielen Perspektiven,
konkurrieren allotropisch.

Sind doch alle bloß Gedanken,
neuronale Korrelate.
Bilden ständig neue Brücken,
eb'nen Wege, Straßen, Pfade.

Jede Meinung jeder Pfad,
führt zu einer neuen Frage.
Was wie Wahrheit scheint uns heute,
morgen ist es vielleicht Sage.


Samstag, 11. Januar 2014

Wie ein Baum

Wir wachsen,
mit den ersten Jahren,
in die hohe Weite.
Später dann,
mit dem Erfahren,
kommt des Lebens Breite.

Mit Borke,
dick und grob gefurcht,
rüstet uns das Leben.
Im Schutze dieses Zauberwalls,
den Himmel wir erstreben.

Die Krone setzt der Geist uns auf,
mit Zweigen, Blättern, Knospen.
Die Blüten duften königlich,
die uns Vernunft lässt kosten.

Die Frucht verheißt den Samen dann,
der uns vom Leid befreit.
Das neue Leben bricht den Bann,
vorbei ist unsre Zeit.


Montag, 30. Dezember 2013

Wenn Menschen...


Wenn Menschen aus ihrer Heimat fliehn.
Wenn Menschen freiwillig ins Fremde ziehn.
Wenn Familien zerrissen werden.
Wenn Kinder dort auf dem Wasser sterben.

Dann hat das sicher viele Gründe:
Armut, Hunger, politische "Sünde",
unsere Gier nicht zu vergessen,
wir geben die Waffen und fressen und fressen.

Wir leeren die Meere,
wir schröpfen die Saat,
bestechen und schmieren,
in jedem Staat.

Manch einer wehrt sich:
"Die Lobby ist Schuld!"
 Doch hat sie ihr Geld erst,
 von uns geholt.

Als Teil des Ganzen,
sind wir mit im Boot.
Gehn einige unter,
sind alle in Not.

Unsere Not, 
ist die zu Erkalten.
Selbstgefällig diesen Kurs, 
auf den Eisberg beizubehalten.

Wenn Menschen ertrinken.
Wenn Menschen erfrieren.
Einfach verrecken,
vor unseren Türen.

Wenn Menschen tief sinken,
dem Flüchtling abwinken,
sich in ihrem Reichtum verlieren.
Dann! 
Werden Menschen zu Tieren ...

"Lampedusa ist überall !" - COR




Montag, 4. November 2013

An Jemanden - Das lyrische Ich



Trage mich weit fort von hier.
Nimm mich mit ans Meer.
Zeig mir wo die Berge stehn.
Es dürstet mich so sehr.

Einsamkeit ist ein Gefängnis,
von kaltem, moosbeflecktem Stein.
Tief im dunklen Herz der Erde,
gräbt man sich ganz langsam ein.

Kein Gesicht und keine Stimme,
seien sie auch noch so süß.
Bricht den Bann und sprengt die Ketten,
die ich selbst im Fels einließ.

Das Dunkel in mir nach Außen gekehrt,
verlor ich fürs Lieben jeden Wert.
Denn hinter der dünnen Fassade,
erkennt man, von nahem, die schlechte Scharade.

Der Abgrund schreckt die meisten ab,
statt einer Oase, ein tiefes Grab.

Drum muss ich gehen, muss vergessen, kann nicht ewig warten.
Will nicht finden, will nicht bleiben, hab schon gelitten auf diese Arten.
Nicht haften, nur laufen, so weit meine Füße mich tragen,
durchs Dunkel, durchs Lichte ... Ach irgendwann!
Ich kann es kaum erwarten.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Weltwahrnehmung

"Die Bewegtheit der Geschichte ist das Geschehen der menschlichen Existenz. Jede neue geschichtliche Wirklichkeit fordert eine neue menschliche Existenz." (Marcuse, 1928, S. 383) [1]


Wir leben in einer Welt die ist.
All unsere Geschichte scheint geworden:
Am Ende der Welt, gibt’s keine Sorgen!
Was danach kommt ist der Rist.

Die Außenkante unsrer Welt.
Wir fürchten uns, wir haben Angst,
vor diesem letzten Übergang,
von dem man in die Schwärze fällt.

Oh starr gewordene Welt,
in der wir uns bewegen.
Was bringt es zu träumen?
Was bringt es zu leben?

Die Welt ein Stein?
Die Welt ein Fluss?
Zeit fließt weiter mit Verdruss.
Will doch nicht sein!

Will immer werden!
Nicht in dieser Starre sterben!
So geht sie auf den Abgrund zu,
und zeigt dem Menschen ohne Ruh,

dass der starre Ast zerbricht!
Am Wind.
Am Schnee.
Am Selbstgewicht!

Der Traum zur Wandlung sei begriffen:
Veränderung des Dings Natur!
Unsre Welt kein starres Sterben,
sondern Leben, Atmen, Werden!

Wenn wir uns einst als werdend sehn,
und nicht bloß als gewordne Steine,
strebt alles gleich dem Umsturz zu:
die Dämme brechen –
Jedem das Seine!

Ob alles sich dann zu Höhen schwingt,
oder tief – wie einst – zu Schanden sinkt.
Das bestimmen Menschenträume,
vom Werden,
vom Leben,
vom Sterben,
schon Heute!


 
Zum Weiterlesen:

Heidegger, Martin: Sein und Zeit. 1927.
Hesse, Hermann: Das Glasperlenspiel. 1943.
Horkheimer, Max; Adorno Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. 1947.
Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewusstsein. 1923.

Marcuse, Herbert: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus. 1928.
Marcuse, Herbert: Feindanalysen. Über die Deutschen. 1943.
u.A.

_____________
[1] Zitiert nach: Marcuse, Herbert: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus. In: Marcuse, Herbert: Gesammelte Schriften. Bd. 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1978. S. 347 ff.


 

Sonntag, 20. Oktober 2013

Schein und Sein

Wow... 1000 Besucher_innen, naja nicht ganz, diese Abfrageserver kann man ja kaum als Besucher_innen zählen, aber trotzdem, die Zahl steht schonmal da. Für manche mag das nicht viel sein, aber für mich ist es schon so eine Art erstes Jubiläum. Aus diesem besonderen Anlass hier die Veröffentlichung des Gedichtes mit dem eigentlich alles begann und seiner Geschichte. Naja mehr oder weniger... Eigentlich ist es dummes Zeug das man auch überspringen kann. 
Aber für alle die die ein wenig mehr lesen möchten:

Es ist dieses Gedicht mit dem ich, in den ersten trüben Tagen des Jahres 2011, begonnen habe meiner vergessenen Jugendfreude, dem Dichten, wieder zu fröhnen. In einer schweren Zeit, auf einer Autofahrt, nach einem mehr deprimierenden als erholsamen Urlaub (zum Glück der Letzte den ich hatte) kam mir der Gedanke, dass ich früher in der Schule immer Spaß daran hatte Elfchen und andere Lyrik zu schreiben. 
Ein Spaß der einem in dieser Gesellschaft ja konsequent aberzogen wird, da die Selbstverwirklichung dem ökonomischen "Nutzen" im Zweifelsfalle weichen muss. Ich beschloss mit der Zeit, mich diesem falschen und unmenschlichen Paradigma zu großen Teilen zu verweigern. Jeden Tag sieht man die Menschen und die Natur, die von dieser Gesellschaft und ihrem Realitätsprinzip, dem Leistungsprinzip wie Herbert Marcuse so schön diagnostiziert, zerbrochen und zernichtet werden. Und jeder dieser schrecklichen Verluste ist ein weiterer Grund sich dieser Welt nicht zu fügen, lieber ein einsamer Steppenwolf zu sein, als ein weiteres Vieh das zur Schlachtbank geführt wird. Lieber den romantisch-einsamen Helden mimen und für Andere Sorge tragen, ihnen Hoffnung geben, als sich in Sicherheit zu wiegen und ihren Untergang einfach zu ignorieren. Aber ich komme vom Thema ab... dafür wird an anderer Stelle noch genügend Zeit sein und die Worte sind ohnehin verschwendet.
Wie von selbst kamen mir daraufhin jedenfalls diese Zeilen in den Sinn. Ich hatte meine liebe Not mir in dieser Situation Stift und Papier zusammen zu klauben, um sie vor der Vergänglichkeit und Schwärze zu bewahren, die mein, in dieser Hinsicht leider, verschwendungssüchtiger Geist ihnen zuteil werden lassen wollte. Doch es gelang alles rechtzeitig zu notieren und dieses Gedicht war mir von diesem Tage an so lieb und so nah, dass ich nie wieder vergessen wollte, wie wichtig und befreiend es sein kann zu schreiben. 
Auch heute noch erinnert es mich stets an diesen Tag, an die Fragen und Antworten die ich in dieser Zeit gefunden hatte. Aber auch an die Befreiung und Freude alle Gedanken, wie mit einem Zauberspruch, aufs Papier zu bannen. Da waren und sind sie nun immer noch, statisch wie ein Glas Wasser das man aus einem reißenden Strom schöpft und das daraufhin friedlich beobachtet und verstanden, ja sogar anderen gezeigt werden kann. Jedoch, wer das Glas bloß betrachtet, wird sich noch immer keine Vorstellung vom Fluss, aus dem es stammt, machen können. Wenn es aber das richtige Wasser ist, jenes tiefe, reißende, wilde, schaumkronenüberspülte, tiefklare Wasser aus der Mitte des wilden Stromes, dann wird der der es trinkt vielleicht diesen Fluss erahnen können, mit dem jemand möglicherweise heftig ringen musste um ihm dieses kleine Gläschen abzutrotzen. Zumindest weiss er schon mehr über den Fluss, als alle Menschen die ihn nur im vorbeigehen betrachtet haben und daher zwar seine Form kennen, nicht jedoch seinen Inhalt, seine Tiefe. 
Aber genug der Flüsse und Gläser. Alle Metaphern sind irgendwann ausgelutscht und ich hoffe diesem Punkt gerade noch zuvorgekommen zu sein. Denn eine überstrapazierte Metapher, gleicht einem übervollen Staudamm der irgendwann bricht.

Manche malen, manche musizieren, manche slammen, manche schreiben Romane oder Kurzgeschichten um das auszudrücken worüber man nicht sprechen kann, die Welt zwischen und hinter den Zeilen und Worten. Ich schreibe jedenfalls seit diesem Tag meist, frei nach Ernst Pöppel, in  ca. 3-Sekunden-Versen den Strom meiner Gedanken nieder und freue mich nun auch dieses mir so lieb gewordene Gedicht in eine Form gebracht zu haben, die es vorzeigbar macht und die ihm, als Grundstein und Juwel all meiner darauf gefolgten und folgenden Arbeiten, wie ich hoffe, gerecht wird.

Vielen Dank für das ( vielleicht sogar verständnisvolle) Lesen dieses sicherlich maßlos übertriebenen und höchst prätentiösen Vorgeplänkels voller Kommafehler:


Schein und Sein

Teil 1:
Dort auf der Bank, da sitzt ein Mann,
hat scheinbar einen Anzug an.
Doch Schein kann trügen,
Wahrheit ist,
dass dieser Mann in Ketten sitzt.

Das Kleid der Seele ist zerschlissen.
Das Herz aus seiner Brust gerissen.
Kann nicht mehr lachen und nicht weinen,
muss im hier und jetzt verweilen.
Weiss nur was er zu tuen hat,
doch nichts von seiner Schaffenskraft.

Leer fühlt er sich und ganz zerbrochen,
im Geiste noch ein Zitterrochen,
stellt Fragen die ihn stets behindern,
doch seinen Schmerz ein wenig mindern.

Fragen ohne Antwort nur,
doch stellt er sie entschlossen - stur!
Gewillt den Weg zuend zu gehn,
nichts ist gewiss nichts bleibt bestehn.

Doch wie kann einer gehen,
der doch in Ketten sitzt?
Und wie kann einer Wissen,
der nur auf Wiesen blickt?

Der Körper dieser Käfig,
sperrt seine Seele ein.
Doch wird er einmal gehen,
geht sie mit ihm anheim.

So weiss er keinen Ausweg,
und grübelt drüber nach.
Denn er sitzt hinter Gittern,
das weiss er selbst im Schlaf.

Er wird wohl lange noch hier sitzen,
und starren auf der Wiesen grün.
Im Schnee, im Regen und bei Blitzen
wird seine Flamme schwächer glühn.

Die Leute nur den Anzug sehn,
und ehrwürdig vorüber gehn,
nicht kennen seine Seelenpein.
So sitzt er da,
allein.

Teil 2:
So sitzt er da und keiner wird ihn retten.
So sitzt er da, gehüllt in seine Ketten.
Nur Hut und Schuhe sieht man noch,
doch er wartet Woch' um Woch'.

Wartet auf die Uhren, 
die sich rückwärts drehen.
Wartet auf die Zeit:
Ach bliebe sie nur stehen!

Montag, 14. Oktober 2013

Preis und Freiheit


Dieser Gedanke an die völlige Ungebundenheit lässt mich nicht mehr los. Der Gedanke an ein Leben auf Reisen ohne Ziel, ohne Bindungen, ist erschreckend und doch auch lockend. Ja verheißungsvoll! Wenn wir einfach gehen und uns keine Gedanken machen über Krankenversicherungen und das Päckchen, das der Postbote für unseren Nachbarn bei uns abgegeben hat. Von der Hand in den Mund und immer am Abgrund. Die Lust und den Schmerz roh und unraffiniert, ja gänzlich unschabloniert und unverordnet erleben. Ach welch Abenteuer uns jenseits des ausgetretenen Pfades erwarten könnten, den wir so stolz "Gesellschaft" nennen.
Wir müssten natürlich in Terrain vordringen, in dem wir nicht aufgrund unserer Unabhängigkeit gehasst und gemieden werden. Die Angst vor der Sehnsucht, die wir bei den Mitgliedern eben jenes gut geölten Uhrwerkes erwecken würden, ist nicht zu unterschätzen.
Unabhängigkeit ist der Preis der Ausgestoßenen.
Und Ausgestoßene wollen wir werden. Heute! Morgen!
Das Leben hat keinen Preis, denn es ist sowieso umsonst.

inspiriert von: 
Hesse, Hermann:  Narziß und Goldmund. Berlin: S. Fischer Verlag, 1930

Klöckritz, Angelika: Die Vermessung des Ichs. Hamburg: ZEITmagazin, 2012. Url: http://www.zeit.de/2012/49/China-Religion-Eremit-Einsiedler-Berge