Sonntag, 27. Oktober 2013

Weltwahrnehmung

"Die Bewegtheit der Geschichte ist das Geschehen der menschlichen Existenz. Jede neue geschichtliche Wirklichkeit fordert eine neue menschliche Existenz." (Marcuse, 1928, S. 383) [1]


Wir leben in einer Welt die ist.
All unsere Geschichte scheint geworden:
Am Ende der Welt, gibt’s keine Sorgen!
Was danach kommt ist der Rist.

Die Außenkante unsrer Welt.
Wir fürchten uns, wir haben Angst,
vor diesem letzten Übergang,
von dem man in die Schwärze fällt.

Oh starr gewordene Welt,
in der wir uns bewegen.
Was bringt es zu träumen?
Was bringt es zu leben?

Die Welt ein Stein?
Die Welt ein Fluss?
Zeit fließt weiter mit Verdruss.
Will doch nicht sein!

Will immer werden!
Nicht in dieser Starre sterben!
So geht sie auf den Abgrund zu,
und zeigt dem Menschen ohne Ruh,

dass der starre Ast zerbricht!
Am Wind.
Am Schnee.
Am Selbstgewicht!

Der Traum zur Wandlung sei begriffen:
Veränderung des Dings Natur!
Unsre Welt kein starres Sterben,
sondern Leben, Atmen, Werden!

Wenn wir uns einst als werdend sehn,
und nicht bloß als gewordne Steine,
strebt alles gleich dem Umsturz zu:
die Dämme brechen –
Jedem das Seine!

Ob alles sich dann zu Höhen schwingt,
oder tief – wie einst – zu Schanden sinkt.
Das bestimmen Menschenträume,
vom Werden,
vom Leben,
vom Sterben,
schon Heute!


 
Zum Weiterlesen:

Heidegger, Martin: Sein und Zeit. 1927.
Hesse, Hermann: Das Glasperlenspiel. 1943.
Horkheimer, Max; Adorno Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. 1947.
Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewusstsein. 1923.

Marcuse, Herbert: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus. 1928.
Marcuse, Herbert: Feindanalysen. Über die Deutschen. 1943.
u.A.

_____________
[1] Zitiert nach: Marcuse, Herbert: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus. In: Marcuse, Herbert: Gesammelte Schriften. Bd. 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1978. S. 347 ff.


 

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